Boston
Reise nach Boston:
Tag 01 Abflug in Frankfurt gegen 14.00 Uhr mit Lufthansa, ein angenehmer, gut ausgebuchter Flug mit gutem Service aber sehr engem Sitzabstand, es ist und bleibt auf Gangplätze zu achten. Landung gegen 13.00 Uhr Ortszeit in Boston Logan Int. Airport.
Zur Ankunftszeit ist Boston eher leer, Immigration, Zollkontrolle und Transfer zu Alamo gehen prima, in einer Stunde bin ich durch und fahre mit meinem Chevrolet Cavalier (zweisitziges Coupe) Richtung I-90 (Richtung Westen). Nervig: Interstates und andere Zubringerautobahnen sind im Großraum Boston mautpflichtig, weswegen man alle naselang irgendwo anhalten und entweder Tickets ziehen oder selbige an Toll-Stationen zahlen muss. Es war trotz November supermilde und nach der Großstadt erst mal auf nen Rastplatz und erst mal im T-Shirt, Wasser, Knabberkram und einige andere Dinge des täglichen Bedarfs gekauft. Von Boston nach Palmer sind es rund 90 km, ich Dödel komme aber auf den Gedanken mal in Worcester auf halbem Wege zwischen Boston und Palmer rauszufahren, weil dort ja nun die bekannte Shortline Providence and Worcester beginnt. Das war gegen 16.00 Uhr - ein Fehler, Berufsverkehr, Nieselregen und einiges Rumkurven (ohne Manfred im Background läufts halt nie so rund mit de Navigation zudem nach einem langen Flug) bringen mich zwar zum örtlichen CSX-P&W-Containerterminal, aber außer heftiger Ladetätigkeit mit uralten Containerstaplern dieselt nur eine Yardgoat GP38 von CSX vor sich hin. Ich fotografiere die Umgebung für Modellbahnanregung und mache mich bei einsetzender Dunkelheit auf den restlichen Weg nach Palmer (rund 40 Meilen). Ich komme in Palmer in vollkommener Dunkelheit an, stelle sehr schnell fest es ist ein kleines Kaff mit viel Eisenbahn und ohne dem von mir am Ortseingang erwarteten Motel ist. Zwei Nachfragen bringen mich aber eher zufällig zum Wedgwood-Motel an der Route 20. Ein kleines inhabergeführtes Motel, das mir 63 $ für ein blitzsauberes Zimmer abnimmt. Ich buche überglücklich drei Nächte. Es geht hurtig in die Kissen und fest wird geschlafen. Am zweiten Tag (Donnerstag) wache ich sehr früh auf, es ist etwa -4° C., Vollmond hinter dürren Wolken und Eiskruste auf dem roten Chevy, mit Stativ wird die Situation festgehalten. Es geht nach Palmer für Muffins und Kaffee, eine Bäckerei auf dem Wege in die Innenstadt (wenn man das so nennen kann) hat beides. Palmer ist im Kalmbach-Hotspots nur einer von zwei HOTSPOTS: Von Ost nach West rennt nämlich die CSX-Hauptstrecke nach Albany (NY) durch den Ort. Sie wird mit einer Diamond-Crossing der NECR gekreuzt: New England Central Railroad. Außerdem ist Palmer Ausgangspunkt der Massachusetts Central Railroad, die mit herrlichen alten GP´s einen echten Shortlinebetrieb (mehrheitlich Intermodal und Bulk-Traffic) durchführt. Hier eine Skizze der für den Modellbahner sehr interessanten Vorbildsituation.
Zunächst checke ich vor Sonnenaufgang den CSX-Yard, lande am alten sehenswerten Bahnhof, der heute ein sehr nettes Restaurant ist. Im Yard von NECR arbeitet schon die erste Switchicg-Crew, auf der Hauptlinie ziehen kurz hintereinander drei schwere CSX-Züge durch. Toller Start, aber das wars auf der CSX-Route, wie in HOTSPOTS angesprochen, Verkehr nur in den frühen Morgen- und –abendstunden. Genial: Ein Müllcontainerzug, gezogen von einer SD90MAC, die wummert wie selten, ich denke mal, es ist ein echte 6000-PS-Maschine. Palmer ist prima, die Hauptstrecke, die Diamondcrossing, der kleine NECR-Yard, all das macht Bock auf Fotos und auf Nachbau in N oder HO, aber es ist ruhig, ich mache mich auf zum kleinen Terminal der MCRR (GP20 Low Nose, GP9 Highnose) und siehe da, ein Hopperzug macht sich soeben auf, den Bahnhof zu verlassen. Ich versuche zum Ortsausgang zu folgen, mit Erfolg. Der 15-Waggon-Hopper-Zug macht sich auf nach der Station „Ware“ zu einem kleinen Schüttgutterminal (mitten im Wald). Es ist leicht zu folgen, toll, wie er durch die leicht hügelige New-England-Landschaft fährt. Da das Laub gefallen ist, kann ich die beiden Loks prima verfolgen, Modellbahnatmo pur. Ich fahre zum glücklicherweise unbemannten Schüttguterminal und sehe bis auf viele Hopper – nix. Der Zug rangiert irgendwo auf offener Strecke, so scheints, ich fahre ihm entgegen und erwische ihn abseits der Strasse. Als der Lokführer meine Kamera sieht, macht er die komplette Beleuchtung an. Das hat geklappt. Ich folge der Shortline bis nach South Barre, etwa 30 Meilen entfernt von Palmer, wunderschöne Landschaft – auf einigen Bahnhöfen stehen einige Waggons, aber die „Musik“ spielt nur bis Ware. Ich fahre zurück, sehe mir die Strecke noch mal an und warte schließlich in Palmer auf irgendwelche Action. Müde geht’s ins Motel.
Am nächsten Morgen fahre ich früh um 07.00 zur Bäckerei, nehme Cinnamon-Rolls und Coffee an Bord und folge der Landstrasse nach West Springfield, etwa 15 Meilen, ich finde das erste im Internet ausgecheckte Hobbygeschäft (Land Sea & Air Hobbies) auf Anhieb – ist aber nix für Modellbahner nur Drachen und Flugzeuge. Weiter geht’s zum Connecticut River, nach einiger Orientierung finde ich zunächst den schwer einsehbaren CSX-Yard und dann Pioneer Valley Hobbies. In einer Stunde machen sie auf und es lohnt sich, gutes Railroad-Department, aber auch Flugzeuge, Raketen, Autos und anderer Kram, decke mich mit Hopper-Bausätzen von Roundhouse ein, dazu Gebäude etc. alle Preise genau wie bei Walthers, kaum Sonderangebote, also nix für eine Dauerbeziehung, aber rund 170 $ später sind viele Bausätze, Figuren, einige Fahrzeugmodelle und Ausstattungsdetails mir. Es geht weiter in die Innenstadt (recht weltstädtisch) zum Bahnhof von Amtrak in der Lyman Street. Netter, etwas runtergekommener Bahnhof, ein Güterzug wird durchgeschoben, ein Amtrak-Zug kommt und drei Güterzüge fahren durch, darunter auch neuste SD70ACE und GE 44 GTMCS. Auf der anderen Flußseite lädt eine Brücke für Fotos ein, aber es tut sich bis auf einen Güterzug im Gegenlicht wenig, der CSX-Yard in West Springfield ist schwer zugänglich und hat keine Strassenbrücke, die über ihn führt. Nette Fotos und zurück geht’s gemütlich nach Palmer, Schwere CSX-Züge donnern bei Dunkelheit durch Palmer – ich höre sie nur aus dem Motel.
Am Samstag geht es weiter über Amherst (riesige Uni, winzige Railroadstation) nach Greenfield. Der East Greenfied Yard ist ein wichtiger Rangierbahnhof der Guilford Rail (Ex-Boston and Maine, Ex- Maine Central). Es ist nicht viel los, sehe mir das Depot an, stelle mich auf die hervorragend am Eingang des Bahnhofes gelegene Brücke und warte, netter Talk mit einem ehemaligen Bediensteten. Beschließe erst mal ein Motelzimmer zu organisieren und das klappt im Super-8-Motel auch prima. Danach zurück zum Rangierbahnhof und tatsächlich, am Samstag Mittag rollt ein ewig langer Zug, geführt von zwei Canadian Pacific SD40 langsam herein und beginnt zu rangieren. Irgendwann wird es mir zu kalt, ich mache mich ab in die Downtown, fülle die Vorräte auf und trolle mich ab ins Motel. Abends mache ich noch Aufnahmen von den beiden SD40s, die am Bahnhofausgang rangieren, aber die Ausfahrt ist schwer zu erreichen und bis sich die beiden Loks wieder auf den Weg wahrscheinlich zurück nach Kanada machen, ist es für Fotos schon zu dunkel.
Am Sonntag geht es auf der Route 202 Richtung Osten nach Millers Falls, wo bekanntlich die NECR durchkommt. Der Bahnhof ist schnell gefunden, aber bis auf abgestellte Waggons gibts nix zu sehen, Sonntag ists halt ruhig. Ich fahre langsam durch die wunderschöne sonnige New-England-Landschaft auf einer anscheinend von Motorradfahrern besonders beliebten Strecke (Route 140) nach Worcester um noch mal nach der Providence and Worcester RR zu sehen. Das letzte Hotel für diesen Trip wird das Comfort Inn in Auburn, direkt bei Worcetser, wo ich von Sonntag auf Montag zum Sondertarif von 79,99 $ unterkomme – sehr gutes Zimmer. Am Montag geht’s nach Worcester zur tollen Union Station, durch die heute noch einige Amtrak-Züge Richtung Boston fahren. Am Intermodalterminal ist leichter Betrieb, aber keine Güterzüge, es ist rund um 10.00 Uhr vormittags schon zu spät, die großen Sachen sind wohl schon durch. Auf dem Terminal von Providence and Worcester wirde ich freundlich herauskomplimentiert – mein netter Führer hatte eine Woche vorher einem Eisenbahnfreund eine freiwillige Tour durch das Gelände gegeben und das fanden seine Vorgesetzten nicht so prima und so darf ich nicht mal Fotos machen. Habe auf dem Gelände und auf den Strecken zu und vom Enginehouse einige Loks beim Umsetzen und Rangieren fotografiert, aber doll war es nicht. Zu guter letzt geling ein Schnappschuss der P&W auf dem Weg zu einem kleinen Containerterminal. Ein weiterer netter Shortlinezug, aber eigentlich nicht das was ich erwartet habe.
Fazit: Eine tolle Landschaft, gute Vorbereitung aber weitgehend nicht genügend Aktion – es ist kein Trip, den man mit verwöhnten Tehachapi/Wyoming-Folks machen kann. Dafür ist zu wenig los, allerdings sieht man viele verschieden Railriads (CSX, NECR, MCRR, P&W, CN, MEC).
Etwas für Fans des Ostens, denn es fahren vergleichsweise wenige Züge, aber in sehr schöner Landschaft.

