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Railfannig (Trainspotting) in den USA:

Das Beobachten, Fotografieren, Filmen oder Katalogisieren von Zügen hat auf der ganzen Welt Fans, überall gibt es Hardcorefans, die tausende von Meilen zurücklegen um eine Lok mit bestimmter Betriebsnummer zu fotografieren oder aber um einfach Züge in entsprechender Kulisee zu fotografieren. Die USA sind, was das Beobachten von Eisenbahnen gilt, eigentlich wie viele andere Länder - aber mit einigen Besonderheiten.

Wegen des extrem starken (rund 48 %) Anteils am Warenverkehr in den USA sind die Eisenbahnen wahrlich die Lebensader einer der wichtigsten (noch) Wirtschaftssysteme der Welt - entsprechend sensibel ist man, speziell seit dem 11. September 2001.

Eisenbahnen gehört fast immer der Grund (und etwa 20 bis 50 m zu beiden Seiten der Gleise). Diese sind meist mit dem Hinweis "Railroad Property - No Trespassing" gekennzeichnet. Leider ist das Betreten verboten. Das kann sich zwar ändern, wenn man von einem netten Lokführer beim Warten im Siding angesprochen wird, aber wer das Gelände ohne Erlaubnis betritt, kann sich im Ernstfall erst Mal dumme Fragen oder einen barschen Rausschmiss kassieren. Die Eisenbahngesellschaften wie UP, BNSF, KCS, Norfolk Southern und Conrail haben alle eigene Railroad-Police-Einheiten, mehrheitlich um Gefahren abzuwenden, Vandalismus zu verfolgen und um auch mal übermütige Fans zur Raison zu bringen. Den Anordnungen der Railroad-Police und ihrer Special Agents ist unbedingt Folge zu leisten.

Hauptaugenmerk der Railroad-Police ist die Sicherheit des Betriebs, der Anlagen und des rollenden Materials. Zudem sind die Haftungsfragen in den USA anders als bei uns – betritt ein Railfan Gleisanlagen und wird (selbst verschuldet) von einem Zug angefahren, ist zunächst die Eisenbahngesellschaft verantwortlich – in langwierigen Verfahren wird dann geklärt, wer in der Tat schuldhaft gehandelt hat. Dies wollen die Eisenbahnen minimieren und sind deshalb sehr vorsichtig. Auch wenn man keine Railroad-Police sieht, ist größte Vorsicht geboten, Neighbourhood-Crimewatch (das sind Freiwillige mit viel Zeit und großer Spürnase) beobachten oft genug Bahnanlagen und melden jeden „Pfurz“. Auch Crews vorbeifahrender Züge melden permanent verdächtiges (oder was sie dafür halten) an die CTC-Zentralen, die per Knopfdruck fast an jede Strecke Police oder RRP entsenden können.

Was geht?
Von öffentlichen Straßen, Überführungen, Standorten darf man Züge fotografieren und filmen, sollte dies je geahndet werden, empfehle ich sich alle Daten der Officer aufzuschreiben und dann die entsprechende Bahngesellschaft zu belangen – meist genügt en Tipp an TRAINS-MAGAZINE und die Sache wird groß an die Glocke gehängt (so geschehen mit einigen englischen Fans, die völlig legal in Chicago die Metra fotografiert haben und nach dem sie aufgegriffen wurden, sogar den Zug verlassen mussten, mit dem sie (mit Ticket) weiterfahren wollten.

Was geht nicht?
Gleise übertreten, sich ohne zu Fragen auf Bahnanlagen aufzuhalten oder irgendwie in den betrieb einzugreifen. Wer das macht, gefährdet sich und erschwert das Hobby für alle Fans.


Wie verhalte ich mich?
Immer freundlich, die Hände am Lenkrad, die Kamera ruhig zum Boden halten und freundlich mit den Leuten reden, wenn sie merken, dass europäische Eisenbahnfans tausende von Meilen geflogen sind, um die Züge zu fotografieren, werden sie schon erheblich freundlicher. Immer Auskunft geben, was man sehen möchte, wo man schon war und wo man hin will. Auf Verlangen Fotos zeigen. Den deutschen Reisepass zu zeigen ist sinnvoll, weil die Herren sehen, woher wir kommen und sie sehen anhand des Einreisestempels, wann wir das Land verlassen und dass wir legal eingereist sind – auch das macht viel Freude. Ich empfehle, die Digitalbilder oft per Backup (Laptop oder Festplatte etc.) zu sichern, dann kann man auch schon mal vor Ort das Löschen der Bilder anbieten. Da die meisten Trainspotter eindeutige Tüten bekannter Hobbyshops und auch entsprechende Magazine und andere Literatur bei sich führen, wird den Sheriffs schnell klar, dass wir harmlos sind – zumindest keine Terroristen, höchstens eine Gefahr für die Sicherheit der Abläufe.

Wir standen in Cheyenne schon 1 m nachts neben rollenden Güterzügen und haben von den Crews höfliches Nicken geerntet und keine Scherereien bekommen. Aber das lässt sich nie verallgemeinern – speziell in Häfen, entlang von Kohlestrecken (Powder River Basin) kann es haariger werden, weil Kohle= Energie=Wirtschaft natürlich immer von höchstem nationalem Interesse ist – Alliance in Nebraska ist ein solcher Ort, dort hat die BNSF riesige Kohlezugbehandlungsanlagen und eine äußerst aktive RRP – hier ist es besser, vorher zu fragen und sich anzuhören, was geht und was nicht.

Ein guter Tipp: Vor der Reise die Bahnen anmailen oder anfaxen und sagen, wann und wo man hinmöchte und was einen interessiert und ob man einem denn nicht bitte die zuständige Person nennen könnte um alle Sicherheitsfragen zu klären. Natürlich antworten die Bahnen nie, aber bei Kontrollen kann man sich mit dem Ausdruck der Mail immer gut rausreden und gibt den Officers jede Menge Arbeit, die entsprechenden Stellen herauszufinden, außerdem zeigt es gleich, wie gut man sich vorbereitet hat (welcher Terrorist wird schon vorher eine Bahngesellschaft per Fax anfragen).




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