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Zwei Wochen New Mexiko und Colorado – ein wirklich spannendes Eisenbahn-Experiment, weil es einen sehr guten Wechsel zwischen Museumsbahnen und „Big Time Railroading“ verspricht.

Wir starten im europäischen Luftverkehrsdrehkreuz Frankfurt unserer Carrier ist North West eine gute Wahl, wie sich herausstellt, denn der Komfort mit individueller Unterhaltungselektronik (Minimonitor) am Platz ist doch gerade bei Langsteckenflügen sehr angenehm. Auf dem Hinflug sind zwei Zwischenstopps einzulegen, Detroit und Minneapolis, schließlich landen wir in stockdunkler Nacht gegen 22.00 Uhr in Albuquerque. Der Alamo-Minivan, unser Heim für die kommenden 3500 km ist schnell angemietet und dank TomTom finden wir den Weg ins 50 km entfernte Belen fast im Schlaf, für einige Mitreisende sind schlappe 28 Stunden seit dem letzten Bettaufenthalt vergangen.

Das ausgewählte Super 8 Motel entpuppt sich als freundlich und wir fallen todmüde und erwartungsfroh in Bett.

Der nächste Morgen zeigt uns, das Anfang September in Belen noch Temperaturen bis 30 ° C erreicht werden. Nach dem obligatorischen „Continental Breakfast“ geht’s zum örtlichen Bahnhof – ein Pilgerpunkt, denn Belen ist Fueling Station der BNSF, rund 120 Züge kommen hier arbeitstäglich durch, die meisten machen Crewchange und fast alle werden auf dem Weg von Amarillo und Lubbock über Clovis nach Belen um dort nach Norden Richtung Denver oder nach Süden abzuzweigen, dieser Part der Transcon-Route ist bis auf den Abo Canyon durchgehend zweigleisig ausgebaut.

Belen (spanisch für Bethlehem) ist ein sehr schlichtes Wüstenstädtchen, das seit vier Jahren per Railrunner an das sehr moderne schienengebundene Nahverkehrssystem von New Mexiko angebunden ist. Trotz Samstag gelingt es uns dank der jährlichen Statefair einen Sonderzug (3 $ ein Weg) zu besteigen und in 30minütiger Fahrt nach Albuquerque zu fahren. Die modernen Bombardier Doppelstockwagen, gezogen von Motive Power MP36PH-3C-Loks gleiten über endlos geschweißte Gleise durch eine recht abwechslungsreiche Landschaft. Überall wird Senator Robertson für diese weise Entscheidung gedankt, ein Ausbau nach Santa Fe ist geplant (die Schienen liegen bereits zwischen den Richtungsfahrbahnen der Interstate I-25! Ein Besuch des örtlichen gut sortierten Trains West Fachgeschäftes, dessen Besitzer sich ob der getätigten Umsätze genötigt sieht, uns zur Bahnstation zurückzufahren, tun ein übriges die Stimmung der noch jetlag-müden Truppe aufzurichten.

Der Sonntag bringt eine herrliche Fahrt von Belen über Sais nach Mountainair (60 Meilen). Wenige Meilen hinter Belen steigt man parallel zum Abo Canyon, die Strecke von Sais nach Scholle ist eingleisig, wird aber zweigleisig ausgebaut, empor. Dürre Kiefern und karge Hügel lassen die Landschaft unwirtlich aussehen. Direkt am Canyonausgang Richtung Scholle ergeben sich am Highway 60 traumhafte Fotomöglichkeiten, weil selbiger hier in einer bequem zu „begehenden“ Brücke über die Schienen führt. Auch Mountainair, wo prachtvolle Zugbewegungen die Fotografen glücklich machten, ist dank eines tiefen Einschnittes sehr gut zu fotografieren. Dies war der Wendepunkt der Tagestour.

Am Montag, den 08. September erwacht das Leben auf der Hauptsrecke so richtig. Vom Parkplatz am Harveyhouse neben der Bahnstation in Belen lassen sich die ein- und ausfahrenden Güterzüge und die funkgesteuerten Switcher ohne Probleme mit der Railroad-Police aufnehmen. Über Los Lunas bei Belen geht es nach Laguna (85 Meilen) – mitten durch die Wüste in der uns als erstes ein Amtrak Southwest Chief begegnet. Das unscheinbare Wüstenstädtchen mit typischer Pueblo-Baukultur ist triste, bietet aber bei Mesita eine traumhafte 90°-Kurve, in der sich aus erhöhter Position traumhafte Mehrfachbespannungen verfolgen lassen – und das nur mit dem einfachen Schwenk einer Kamera.

Am 09. September wird gereist, es geht ins 200 Meilen entfernte Chama (sprich Tschama) zur Cumbres and Toltec- Narrow Gauge Railroad, der längsten (64 Meilen) und höchsten Museumseisenbahn in den USA. Die Landschaft ändert sich gewaltig, wir verlassen die Wüste und klettern in die Rocky Mountains auf ein Gebirge auf 2399 m. Der wie aus dem vergangenen Jahrhundert vor uns liegende Bahnhof lädt zum Schnuppern, Schauen, Fotografieren (ausdrücklich erwünscht) ein. Es ist eine Zeitreise ins Jahr 1880 als diese 910-mm-Schmalspurbahn als Teil der Rio Grande eröffnet wurde. Nach ausgiebiger Fotosession bei feuchtem Wetter mit gänzlich anderen Temperaturen gönnen wir uns ein kräftigendes Steak, denn am nächsten Tag machen wir den Trip per Bahn von Chama nach St. Antonito mit Mittagsstop in Osier und anschließender Rückfahrt per Bus. Ein unvergessliches Erlebnis, wie sich die Bahn auf den 10150 ft hohen Cumbres Pass hochschraubt und anschließend auf einer grandiosen Hochebene dem Endpunkt zustrebt, man muss einen ganzen Tag, alleine die Reisezeit mit obligatorischem und im Ticketpreis enthaltenen Mittagessen dauert gut acht Stunden – abends sinken wir nicht in die Federn, sondern machen uns 106 Meilen auf den Weg nach Durango im Nachbarstaat Colorado.

Am 11. September geht’s morgens um 08.30 Uhr bereits mit dem Zug ab nach Silverton, hier ist alles deutlich touristischer, es verkehren mehrere Züge in dichter Folge, die Plätze sind nummeriert und man muß sie auch wirklich nutzen, dafür gibt es Free Coffee, oder was der Amerikaner darunter versteht, und eine prachtvolle Mug (Riesenthermobecher) zur Erinnerung. Die Reise entlang des Durango River durch das Mesa Verde entlang am Fuß von 4.000endern dürfte bei dem prachtvollen Herbstwetter, das wir im offenen Wagen genießen durften, zu den unvergesslichsten Eisenbahnreisen gehören. Nach vierstündiger Fahrt erreicht unser Zug das Silberminen-Städtchen Silverton und hält, wie es sich für den wilden Westen gehört, mitten auf der staubigen Hauptstrasse. Nach zwei Stunden, die man mit Mittagessen und dem Erwerb landestypischer Kleidungsstücke zubringen sollte, geht es nicht minder ereignisreich zurück nach Durango, wo uns ein abendlicher Spaziergang durch den recht netten und äußerst gepflegten Ort mit historischer Downtown noch das ein der andere gebraute Erzeugnis genießen lässt.

Der 12. September steht ganz im Zeichen einer der spektakulärsten Autofahrten - nämlich von Durango über Silverton, Ouray, Ridgeway und Montrose bis in das Silberbergbaustädtchen Cripple Creek 500 km durch den Westen der USA über menschenleere Strassen, Gebirgspässe und durch unglaubliche Schluchten – eine Traumfahrt, die an eine Reise durch Alaska und Kanada erinnert und einen in einer unwirtlichen Gegend im Schatten der größten nocharbeitenden Gold-Tagebaues, enden lässt.

Im 3000 m hoch gelegenen Cripple Creek herrscht seit 1996 die fünfte Jahreszeit, denn in Ermangelung ausreichender Arbeitsplätze in den Goldminen wurde die Stadt zum Glücksspiel-Paradies erklärt. Jedes Hotel, jede Bar und jedes Restaurant ist gepflastert mit einarmigen Banditen und weiteren Möglichkeiten der legalen Geldabzocke – eine nächtliche Autoshow mit Musclecars versüßt den eisenbahnverwöhnten Fotografen den Tagesausklang.

Bei kaltem Wetter steigen wir in die Betten und fahren am nächsten Morgen um den gigantischen Goldberg in Victor herum nach Pikes Peak bei Colorado Springs um dort mit einer schweizer SLG-Bergbahn auf den gleichnamigen 4300 m Berg zu fahren, der Teil der Front Range der Rocky Mountains ist. Bei sonnigem Herbstwetter erklimmen wir den Berg in zwei Stunden, haben eine Stunde Aufenthalt im frischgefallenen Schnee und genießen einen atemberaubenden Blick nach Colorado Springs. Nach der Rückfahrt mit der dieselgetriebenen Zahnradbahn (System Abt) gehts zum National Monument Garden of the Gods, einer spektakulär verwitterten Sandsteinformation, die einst den Boden eines prähistorischen Meeres bedeckte. Die örtlichen Hobbyshops wissen zu überzeugen – doch wir müssen uns zurückhalten, denn in Denver wartet mit Caboose Hobbies immerhin der weltgrößte Modellbahnfachgeschäft auf uns.

Die Zweite Nacht in Cripple Creek ist unspektakulär, das Leben neigt sich der beginnenden Arbeitswoche entgegen, leide bleibt keine Zeit, den Tagebau zu besichtigen, wo gigantische Hydraulikbagger und riesige Muldenkipper Berge versetzen (Besichtigung am Victor Lowell Thomas Museum (Juni bis August, Mi./Fr.). Die in Cripple Creek fahrende 60-cm-Dampfschmalspurbahn nehmen wir dankend zur Kenntnis, müssen aber wegen strammer Reisepläne den Besuch der schon morgens prächtig dampfenden Kleinbahn auf eine Fotosession beschränken. Die Fahrt ist aber empfehlenswert, denn die kleinen O&K-Dampfloks bewegen sich auf größtenteils historischen Streckenabschnitten, welche einst die Tagebaue mit den Außenkippen verbanden, das Depot ist prachtvoll restauriert und stammt aus dem Jahr 1894.

Canon City, nein der Kopierer wurde hier nicht erfunden, ist das nächste rund 50 km entfernte Ziel, die Royal Gorge Route lockt uns. Diese normalspurige Museumsbahn fährt durch die sensationelle 300 m tiefe Schlucht, die von der SP heute nicht mehr befahren wird. Die Stadtväter trotzten dem Eisenbahngiganten Union Pacific, dem Vater der SP, ein Nutzungsrecht für Touristenzüge ab. Gegenüber dem örtlichen Gefängnis starten zwei herrlich orange/schwarz lackierte F7-Loks mit einem bunt gemischten Zug gebildet aus Streamlinern und Domecars, letztere von der Alaska Railroad erworben und sehr kommod. Die insgesamt dreistündige Fahrt unter der höchsten Hängebrücke der Welt hindurch ist aufregend, gut erzählt (Narrated Tour) und endet unspektakulär an einem Steinbruch, dessen Erzeugnisse ebenfalls per Bahn durch de Schlucht abgefahren werden (wer würde da nicht gerne ml am Führerstand einer MP 15 stehen), ein Schauspiel, das unsere Truppe gerne miterlebt hätte aber Sonntags erstes nie und zweitens musste die weltberühmte Hängebrücke noch besucht und erwandert werden.

Nach der Brückenbesichtigung (24 $ Fee) gehts weiter nach Georgetown (1864 im Zuge des Pikes Peak Gold Rush gegründet), ebenfalls ein Bergbaustädtchen in 2600 m Höhe, 50 km westlich von Denver, direkt am Highway 6 gelegen. Dort verbindet die 8 km lange Georgetown Loop Railroad die gleichnamig Stadt mit Silver Plume, benannt nach einer reichhaltigen Silberader, die heute nicht mehr ausgebeutet wird. Devil’s Gate High Bridge, 4prozentige Steigungen und der Betrieb mit einer einmaligen 6achsigen Porter-Schmalspurdiesellok lassen einen unvergesslichen Tag erwate, der nachmittags noch mit dem Besuch des westlichen Portals des Moffat Tunnels gekrönt werden soll. Die zwar schöne Fahrt bleibt trainmäßig ereignislos weil Bauarbeiten den Zugverkehr „auf Null setzen“ und das Westportal unspektaukulär am Rande des Skiresorts Winter Park Resort aus dem Berg bricht – fotografisch gibt das Ostportal des 10 km langen und damit längsten Eisenbahntunnels der USA erheblich mehr her. Benannt ist der Tunnel nach dem Eisenbahnpionier David Moffat, der ihn 1902 baute um die schwierige Fahrt über den Rollins Pass zu verkürzen und zu erleichtern.


Es geht zurück nach Denver um dort mal gründlich zu Caboose Hobbies zu gehen, dem nach eigenen Angaben größten Modellbahnladen weltweit - ein Paradies für dessen besuch einihe hundert Minuten wertvoller Urlaubszeit eingeplant werden sollten - der Besuch lohnt XXX auf jeden Fall - ein Traum.

Am Bahnhof machen wir noch einen Abstecher sehen aber, dass es relativ ruhig ist, dennoch lassen sich die BNSF-DC/AC-Loks gut von den Brückenauffahrten fotografieren.

Ein letzter Tagestrip vor dem Rückflug bringt uns über Sleeper nach Cheyenne, der 50.000-Einwohner-Hauptstadt des Präriestaates Wyoming (bekannt durch das Powder River Basin mit seinen 15 Kohletagebaten).

Fort Collins (East Vine Drive) ist eine Sensation, des gelingt uns eine traumhafte Streetrunning-Szene einzufangen, der BNSF-Güterzug rollt über die Hauptstrasse - das gibt es in der Form nur in den USA - ein höchst beeindruckendes Schauspiel. Weiter gehts nach Cheyenne, der Bahnhof ist dank zweier Brücken bestens einsehbar - im Bahnhofsgebäude haben sich Touristinformation und Heimatmuseum breit gemacht, auch ein leckeres Restaurant , das Plätze direkt an den Gleisen bietet, sollte nicht unbesucht bleiben - es ist schon etwas besonderes, wenn man mit einem Riesen-Hamburger in der Hand miterlebt, wie neben einem 12000 PS in Form von 3 AC44 etc. langsam gas geben - Mahlzeit für Trainspotter.


Royal Gorge

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